Cannabidiol bei Angstzuständen und Schlaf: Eine große Falluntersuchung

Scott Shannon, MD, Nicole Lewis, ND, Heather Lee, PA-C, and Shannon Hughes, PhD

Zusammenfassung (Abstract)

Kontext der Studie:

Cannabidiol (CBD) ist nur eine von zahlreichen Cannabinoidverbindungen, die in der Cannabispflanze enthalten sind. Nach dem aktuellen Stand der Forschung scheint es so, dass dieses Cannabinoid das Bewusstsein nicht verändert und somit beim Konsumenten kein „High“ verursacht.

In letzter Zeit wurden vielfach wissenschaftliche Studien veröffentlicht, die CBD klinisch als auch In-Vitro untersucht haben. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Anwendung von CBD von Vorteil sein kann, speziell bei neuropsychiatrischen Erkrankungen wie Epilepsie, Angststörungen und Schizophrenie.

Diese Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass CBD im zentralen Nervensystem beruhigend wirkt. Insgesamt ist das Interesse an der Erforschung von CBD enorm nach oben geschnellt, wobei aber gesagt werden muss, dass die Studienlage im Bereich der psychiatrischen Fachliteratur noch dürftig ist.

Ziel der Studie:

Wir wollten feststellen, ob Cannabidiol bei einer Untersuchungsgruppe mit Schlaf- und Angstproblematiken hilfreich sein kann.

Aufbau:

Wir führten an einer psychiatrischen Klinik eine retrospektive Falluntersuchung durch, die die Anwendung von CBD zum Inhalt hatte. Es wurden Patienten behandelt, die zum einen über Angstzustände, als auch über schlechten Schlaf klagten. Dabei wurde Cannabidiol als Zusatzmittel zur bereits bestehenden Medikamenteneinnahme hinzugefügt.

Die Ergebnisse wurden retrospektiv, also mit zeitlicher Verzögerung aufgezeichnet. Dabei wurden die Werte von Angstgefühlen und Schlafqualität einmal im Monat dokumentiert. Die Anzahl der Studieneilnehmer war 103 Patienten.

Die hauptsächlichen Mess-Parameter:

Von den Patienten wurden Wertungen von Schlafqualität und Angstintensität genommen, mittels standardisierter Verfahren und Techniken. Diese Werte wurden zuerst im Grundzustand und schließlich während der Behandlung mit CBD festgestellt.

Ergebnisse:

Von den 103 Teilnehmern konnten 72 die Studie beenden. Diese hatten vor der Studie übermäßige Angstzustände als Beschwerdeprofil angegeben (n=47) oder hatten über schlechten Schlaf berichtet (n=25).

Die Wertungen der Angstparameter verringerten sich bereits im ersten Monat der Behandlung bei 57 Patienten (79,2%) und verblieben für den restlichen Verlauf der Studie auf einem verringerten Niveau.

Die Wertungen der Schlafqualität verbesserten sich im ersten Monat bei 48 Patienten, die CBD einnahmen (66,7%). Diese niedrigeren Werte blieben aber im weiteren Verlauf nicht stabil, sondern schwankten signifikant.

In unserer Untersuchung wurde CBD von fast allen Teilnehmern gut vertragen. 3 Patienten klagten jedoch über Nebenwirkungen.

Interpretation der Ergebnisse:

Cannabidiol kann bei Krankheiten, die mit Angst verbunden sind, vorteilhaft wirken. Generell werden aber weitere Studien benötigt, die unter kontrollierten Bedingungen ablaufen.

STUDIE

EINLEITUNG

Die Cannabispflanze wird schon seit der Antike angebaut und seit jeher aufgrund ihrer medizinischen Eigenschaften und wegen ihrer Verwendbarkeit als Rohstoff für diverse Produkte großflächig angebaut.  Die beiden Hauptstämme dieser Pflanze sind als Cannabis Sativa und Cannabis Indica bekannt. 1) Baron EP., Comprehensive Review of Medicinal Marijuana, Cannabinoids, and Therapeutic Implications in Medicine and Headache: What a Long Strange Trip It’s Been. 2015, Headache. Dabei enthält die Cannabispflanze mehr als 80 verschiedene wirksame Molekülverbindungen, die als Cannabinoide bezeichnet werden.

Das Cannabinoid, welches am häufigsten in der Pflanze vorkommt, wird als Tetrahydrocannabinol (THC) bezeichnet. Diese Verbindung ist vor allem für seine psychoaktiven Eigenschaften bekannt, während Cannabidiol (CBD) auf dem zweiten Platz landet, was die Menge in der Pflanze betrifft. CBD ist im Gegensatz zu THC nicht psychoaktiv.

Generell werden verschiedene Untersorten der Pflanze angebaut, die jeweils auch unterschiedliche Mengen an THC und CBD aufweisen. Diejenige Sorte, dir wir umgangssprachlich als „Hanf“ oder „Nutzhanf“ bezeichnen, wird vor allem wegen ihrer Fasern und der hohen Mengen an CBD angebaut. 2) Schluttenhofer C, Yuan L, Challenges towards Revitalizing Hemp: A Multifaceted Crop. 2017, Trends Plant Sci. Dieses Cannabidiol wird schließlich zur Herstellung von Öl entnommen.

Demgegenüber enthalten aber „normale“ Marihuana-Pflanzen, die für den Gebrauch als Rauchwerk angebaut werden, bedeutend höhere Konzentrationen an THC. Aus der Sicht des Gesetzgebers muss industrieller Hanf weniger als 0,3% an THC enthalten, um legal angebaut werden zu dürfen. Damit wird sichergestellt, dass die Endprodukte nicht berauschend wirken. Aus diesen Pflanzen wird unter anderem dann Cannabidiol in Reinform extrahiert.

Viele verschiedene Kulturen verwenden die Cannabispflanze schon seit Jahrhunderten um eine Vielzahl von Beschwerden zu behandeln. Im alten China zum Beispiel wurden Extrakte der Pflanze dafür eingesetzt, um Malaria, Menstruationsbeschwerden, Gicht und Verstopfung in den Griff zu kriegen. Im Mittelalter wurden Produkte der Cannabispflanze gegen Schmerzen, Epilepsie, Übelkeit und Erbrechen verwendet. Die westlichen Doktoren sahen Cannabis vor allem als ein hervorragende wirkendes Schmerzmittel an. 3) Devinsky O et al., Cannabidiol: pharmacology and potential therapeutic role in epilepsy and other neuropsychiatric disorders. 2014, Epilepsia.

In den Vereinigten Staaten verschrieben Ärzte die Sorte Cannabis Sativa bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts für eine Vielzahl von Beschwerden. Die Verwendung nahm jedoch ab den 1930er Jahren ab, als die Regierung in Washington anfing, Einschränkungen vorzunehmen. Ganz aus mit der Verschreibungsmöglichkeit von Marihuana war es dann in den 1970ern, als die Abgeordneten weitere tiefgreifende Beschränkungen einführten und Marihuana als eine „Substanz der Kategorie 1“ klassifizierten. Dies ordnete Cannabis nicht nur in die gleiche Sparte wie Heroin und andere harte Drogen ein, zusätzlich wurde der Pflanze ihr medizinischer Nutzwert aberkannt.

Kalifornien war im Jahre 1996 der erste Staat, der auf föderaler Ebene gegen das Bundesverbot aufbegehrte, und legalisierte medizinisches Marihuana letztendlich wieder. Der aktuelle Status, Mitte 2018, ist, dass 9 Bundesstaaten und Washington DC, Marihuana für den Eigengebrauch legalisiert haben. Außerdem ist in 30 Bundesstaaten der USA der Gebrauch von medizinischem Marihuana erlaubt.

Das Vorhaben der vorliegenden Studie war es, die Auswirkungen von Cannabidiol (CBD) auf den Angstzustand und die Schlafqualität bei Patienten in einer ambulanten Klinik zu begutachten, die sich mit Angststörungen oder schlechtem Schlaf als vorrangigem Krankheitsbild bei der Ärzteschaft vorstellten.

Bei CBD wurde in der Vergangenheit in gewissem Ausmaß ein positiver Wirkungseffekt für eine Reihe von physischen und psychischen Gesundheitsproblemen beobachtet. Im Jahrzehnt bis vor 2012 gab es insgesamt nur 9 wissenschaftliche Studien, die sich mit dem Einsatz von Cannabinoiden bei medikamentöser Schmerzbehandlung beschäftigten. Seitdem sind 30 Artikel zu diesem Themenbereich veröffentlicht worden, wie eine Recherche bei PubMed im Dezember 2017 gezeigt hat.

Hervorzuheben ist hierbei eine Studie, die an der Universität von Kalifornien durch geführt wurde, am „San Diego Zentrum der Erforschung von medizinischem Cannabis.“ Diese Studie zeigte, dass Zigaretten mit Marihuana die Schmerzen der untersuchten Teilnehmer um 34% bis 40% reduzieren konnte, während die Vergleichswerte der Placebogruppe 17% bis 20% waren. 4) Abrams DI et al., Cannabis in painful HIV-associated sensory neuropathy: a randomized placebo-controlled trial. 2007, Neurology. Außerdem scheint Cannabidiol gesundheitliche Vorteile für eine große Anzahl von neurologischen Erkrankungen zu bieten. Unter anderem kann CBD anscheinend dabei helfen, die Frequenz von Anfällen deutlich zu reduzieren, wie zum Beispiel bei Epilepsie.

Eine vor Kurzem durchgeführte großangelegte und empirisch gut kontrollierte Studie von Epilepsie bei Kindern hat eindrücklich gezeigt, dass CBD hier positiv zum Einsatz kommen kann. Genauer gesagt wurde die Anfallshäufigkeit der Probanden um mehr als 50% reduziert.

Bei anderen Veröffentlichungen wurde gezeigt, dass das Phänomen des „Runner’s High“  (zusätzlich zur Endorphinfreisetzung) teilweise durch die Aktivität von Anandamid induziert wird.5) Fuss J et al., A runner’s high depends on cannabinoid receptors in mice. 2015, Proc Natl Acad Sci U S A. Dieser körpereigene Botenstoff wirkt auf den CB1-Rezeptor und löst des Weiteren anxiolytische Effekte auf den Körper aus. Hier liegt möglicherweise der Signalweg von Cannabidiol.

Ein anderer Wirkungsweg scheint der Aktivierung des 5-HT1A-Rezeptors zu sein, durch welchen möglicherweise die neuroprotektiven, antidepressiven und anxiolytischen (angstreduzierenden) Wirkungen noch verstärkt werden. Wie genau dieser Mechanismus CBD jedoch dabei unterstützt, außerdem noch die Angstzustände zu verringern, ist weiterhin unklar. Dieser Mechanismus muss noch weiter erforscht werden. 6) Zanelati TV et al., Antidepressant-like effects of cannabidiol in mice: possible involvement of 5-HT1A receptors. 2010, Br J Pharmacol.

In den veröffentlichten Studien hat sich nämlich gezeigt, dass CBD sich bei der Verringerung von übermäßigen Angstgefühlen als hilfreich erweisen kann. Bei einem Experiment mit dem Inhalt einer simulierten Redesituation in der Öffentlichkeit waren 300 bis 600 mg des Wirkstoffs signifikant wirksam. 7) Zuardi AW et al., Inverted U-Shaped Dose-Response Curve of the Anxiolytic Effect of Cannabidiol during Public Speaking in Real Life. 2017, Front Pharmacol.

In Studien mit Ratten wurde nahe gelegt, dass Dosen unterhalb von 10 mg pro Kilo Körpergewicht eine bessere angstreduzierende Wirkung haben als höhere Dosen, im Bereich von 100 mg/kg.

Bei einer Crossover-Studie, welche CBD mit Nitrazepam verglich, fanden die Wissenschaftler heraus, dass CBD bei einer relativ hohen Dosierung von 160 mg die Schlafdauer erhöht. 8) Zhornitsky S1, Potvin S., Cannabidiol in humans-the quest for therapeutic targets. 2012, Pharmaceuticals (Basel). Eine andere Studie kam zu dem Ergebnis, dass bei oraler Einnahme von CBD die Plasmakortisolspiegel signifikant nach unten gehen. Hier wurden 300 bis 600 mg CBD verwendet, wobei die Teilnehmer von einem einschläfernden Effekt berichteten.

Anscheinend sind höhere Mengen von CBD therapeutisch dafür geeignet, gegen Angst, Schlaflosigkeit und Epilepsie eingesetzt zu werden, wobei aber unter Umständen ein starker sedativer Effekt als Nebenwirkung auftreten kann.

Die Verabreichung von CBD mittels verschiedener Einnahmevarianten und eine parallel stattfindende Langzeitanwendung von 10 bis zu 400 mg täglich hatte keinerlei schädliche Auswirkungen auf die Patienten. Ebenso wurden Dosen von bis zu 1500 mg am Tag der Fachliteratur zufolge gut vertragen. 9) Iffland K, Grotenhermen F., An Update on Safety and Side Effects of Cannabidiol: A Review of Clinical Data and Relevant Animal Studies. 2017, Cannabis Cannabinoid Res.

Die meisten Untersuchungen wurden bisher bei Tieren durchgeführt und hier hat CBD bislang einen potentiellen Nutzen gezeigt, aber die medizinischen Daten aus der klinischen Forschung, auf der Basis von randomisierten und kontrollierten Experimenten, sind bis zum jetzigen Zeitpunkt immer noch sehr begrenzt.

Zu guter Letzt ist generell anzuführen, dass einer der bemerkenswertesten Eigenschaften von Cannabis generell seine Verträglichkeit und sichere Anwendung ist. Bis zum heutigen Tage gibt es keinerlei Belege darüber, dass jemand an einer Überdosis gestorben wäre – von keinem der beiden Haupt-Cannabinoide. Abgesehen von den Bedenken die ein Missbrauch der Substanzen als Droge betrifft, sind die Nebenwirkungen sehr überschaubar. 10) Collen M., Prescribing cannabis for harm reduction. 2012, Harm Reduct J. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22208773/ Die bis jetzt durchgeführte Forschung weist darauf hin, dass Cannabis als Ganzes ein sehr niedriges Risiko darstellt, zumindest was den kurzfristigen Gebrauch der Pflanze und seiner Wirkstoffe angeht. Dennoch sind weitere und größer angelegte Studien von Nöten, um auch etwaige langfristige Gesundheitsrisiken und eventuell auftretende Schäden ausschließen zu können.

Angesichts der vielversprechenden biochemischen, physiologischen und präklinischen Daten zur Verwendung und Wirkung von Cannabidiol gibt es einen eklatanten Mangel an belastbaren, randomisierten klinischen Studien zu diesem Pflanzenwirkstoff. Auch andere formale klinische Studien fehlen, wie auch in diesem Forschungsfeld: dem psychiatrischen Bereich.

Diese vorliegende Studie analysierte eine Reihe von Patienten, die CBD zur Behandlung ihrer Angstzustände, beziehungsweise ihrer Schlafstörungen bei ihrem Klinikaufenthalt verwendeten. Weil es, wie gesagt, in diesem Feld nur so wenige Daten gibt, können klinische Beobachtungen vor Ort sehr nützlich sein, um unseren Wissensstatus zu erweitern und um, unter Umständen, Anregungen für weitere Untersuchungen zu entdecken.

Diese Studie hatte das Ziel festzustellen, ob CBD für die Verbesserung der Schlafqualität und/oder der Angstsituation in einer klinischen Patientengruppe hilfreich sein könne. Da diese Art der Behandlung ziemlich neuartig ist, konzentrierte sich unsere Studie außerdem noch ebenfalls auf die Verträglichkeit des Wirkstoffs und andere Bedenken hinsichtlich etwaiger gesundheitlicher Beeinträchtigungen. Da sich momentan Cannabis vom rechtlichen Standpunkt her noch in der Schwebe befindet, haben wir zusätzlich untersucht, ob die Patienten CBD als medizinischen Wirkstoff akzeptieren würden.

METHODIK

Aufbau und Verfahren

In dieser Studie wurde bei von erwachsenen psychiatrischen Patienten eine retrospektive Überprüfung durchgeführt. Diese Patienten wurden aufgrund ihrer Schlaf- oder Angststörungen zusätzlich mit CBD behandelt. Die untersuchten Patienten waren in einer größeren psychiatrischen Klinik ambulant untergebracht. Als zu berücksichtigende Daten wurden sämtliche Patienten mit einbezogen, welche eine Schlaf- oder Angststörung durch einen psychiatrischen Fachmann (Psychiater, psychiatrischer Krankenpfleger oder Stellvertreter deren selben) diagnostiziert bekommen hatten. Die Diagnose wurde durch eine basisorientierte klinische Beurteilung getroffen, anschließend wurden von den Patienten die Standardwerte ihrer psychologischen Verfassung eingeholt. Diese Maßnahmen wurden einmal im Monat wiederholt. Falls die Patienten an mehreren Diagnosen litten, auch psychischer Erkrankungen, wurden sie nicht aus der Studie ausgeschlossen.

Zusätzlich wurden den Patienten die jeweiligen psychiatrischen Medikamente gemäß der vorgeschriebenen routinemäßigen Patientenversorgung verabreicht. Die Auswahl für die Fallserie hing davon, ob die Patienten sich dazu bereit erklärten, einer Einnahme von CBD zuzustimmen. Dabei wurden sie über den Vorgang und die Maßnahmen eingehend informiert. Diese stimmten des Weiteren zu, mindestens einmal monatlich über zumindest eine von den zwei untersuchten Krankheitsbildern Rapport zu erstatten.

Die mit CBD behandelten Patienten wurden, wie die anderen Patienten der Institution auch, im üblichen Rahmen psychiatrisch betreut und ebenso medikamentös behandelt. Die meisten der Untersuchten nahmen während des Untersuchungszeitraums weiterhin ihre psychiatrischen Medikamente ein. Die Patientenpopulation spiegelte insgesamt die Klinikpopulation im kleineren Maßstab wieder, mit der Ausnahme, dass sie vom Lebensalter jünger war.

Nahezu alle Patienten bekamen CBD in Kapselform zu 25 mg täglich. Bei den Patienten mit Angstbeschwerden, wurde die Tagesration jeden Morgen nach dem Frühstück eingenommen. Bei den Patienten mit Schlafbeschwerden erfolgte die Einnahme des Cannabidiols erst nach dem Abendessen. Einigen Teilnehmern der Studie wurden anstatt 25 mg 50, beziehungsweise 75 mg am Tag gereicht. Ein einzelner Patient, welcher eine schwer traumatisierende Episode hinter sich hatte und an einer schizoaffektiven Störung litt, erhielt eine höhere Menge von CBD, die schrittweise auf bis zu 175 mg am Tag erhöht wurde.

In vielen Fällen wurde CBD als Methode dazu angewandt, um die Einnahme von Psychopharmaka zu vermeiden oder zu reduzieren. Die Auswahl des genauen Produkts und dessen Dosierung unterlag der Aufsicht des jeweils zuständigen medizinischen Personals und deren Präferenzen. Bei jedem Patienten, der in dieser Studie in Betracht gezogen und anschließend behandelt wurde, wurde eine schriftliche Zustimmung nach vorheriger Aufklärung über den Ablauf eingeholt. Die monatlichen Patientenbesuche beinhalteten sowohl die die medizinische Auswertung als auch die objektive Dokumentation des Angst- und Schlafstatus der Patienten. Hierfür wurden empirisch valide Messverfahren eingesetzt.

Wenn das behandelnde Personal dies für richtig hielt, wurde das CBD der Behandlung hinzugefügt oder auch nötigenfalls aus dem Behandlungsprotokoll wieder entfernt. Auch bei Verweigerung des Patienten wurde die Behandlung mit Cannabidiol abgebrochen. Das zuständige Gremium des „Western Institutional Review Board, Puyallup, WA“ erteilte dieser retrospektiven Überprüfung die dafür nötige Genehmigung.

Austragungsort und Auswahl der Patienten

Das „Wholeness Center“ in Fort Collins, Colorado, ist eine große psychiatrische Klinik, die sich auf einen integrativen Ansatz von Medizin und Psychiatrie konzentriert. An diesem Institut arbeiten Mediziner und Betreuer aus verschiedenen Disziplinen (Psychiatrie, Naturheilkunde, Akupunktur, Yoga, Neurofeedback, usw.) in einem interdisziplinären Umfeld zusammen. Dabei hat sich die Einführung von CBD bereits schon vor mehreren Jahren in dieser Klinik bewährt, also schon weit vor dem Beginn dieser Untersuchung. Diese zusätzliche Behandlung mit Cannabidiol wurde aufgrund neuer Forschungsergebnisse und positiver Patientenerfahrungen in die medizinische Patientenversorgung mit aufgenommen.

Der große Rahmen der Stichprobe bestand aus 103 erwachsenen Patienten, welche in dieser psychiatrischen Ambulanz mit CBD behandelt wurden. Von diesen 103 Patienten hatten 82 (79,6%) eine medizinisch diagnostizierte Angst- oder Schlafstörung. Patienten, welche ausschließlich oder hauptsächlich mit Schizophrenie oder posttraumatischer Belastungsstörung diagnostiziert wurden, sowie Patienten mit schwerwiegenden Depressionen wurden aus der Studie ausgeschlossen. Des Weiteren wurden 10 Patienten ausgeschlossen, weil diese nur einen einzigen dokumentierten Besuch im Center hatten. Außerdem wurde bei ihnen auch keine Nachuntersuchung durchgeführt.

Die schlussendliche Stichprobe bestand aus 72 erwachsenen Patienten, von denen sich 47 (65,3%) mit Angstbeschwerden und 25 (34,7%) aus schlechtem Schlaf zur Behandlung mit CBD meldeten. Diese endgültige Teilnehmergruppe wurde auch einer Nachuntersuchung unterzogen.

Die hauptsächlichen Ergebnisparameter

Es war unser Anliegen, die Faktoren Schlafqualität und Angstempfinden bei diesem Studienbericht zu beschreiben. Die Schlafproblematik wurden bei den monatlichen Ambulanz- Besuchen mit Hilfe des „Pittsburg Sleep Quality Index“ verfolgt. Für das Angstniveau wurde mit der „Hamilton Anxiety Rating Scale“ gearbeitet. Beide Messverfahren sind für die Öffentlichkeit verfügbar und unterliegen keinem Urheberrecht.

Die Hamilton Anxiety Rating Scale (‚Bewertungsskala des Angstempfindens nach Hamilton‘) ist ein weit verbreitetes und mittlerweile sehr gut validiertes Angstmaßinstrument mit 14 Einzelfragen. Diese Skala wurde erstmals 1959 verwendet und deckt ein breites Spektrum an Beschwerden im Bereich von Angstsymptomatik ab. Die Punktzahl reicht bei der Skala von Hamilton von 0 bis 56. Eine Wertung unter 17 lässt sich als ‚leichte Angst‘ deuten, eine Punktzahl über 25 zeigt hingegen ’schwere Angst‘ an.

Der „Pittsburg Sleep Quality Index“ (‚Schlafqualitäts-Index“) ist eine Maßzahl, welche die Schlafqualität auf Basis einer Selbstauskunft bewertet. Zeitliche Grundlage dieses Maßverfahrens ist ein Zeitraum von einem Monat. Er besteht aus insgesamt 19 „Items“ (‚Stichpunkten‘), die sich in der wissenschaftlichen Forschung als zuverlässig und valide erwiesen haben, wenn es darum geht, die Schlafqualität empirisch zu überprüfen. Jedes Item des Index wird dabei mit einer Punktzahl von 0 bis 3 bewertet. Somit ergibt sich eine Gesamtpunktzahl von 0 bis 21. Je höher die Wertung ausfällt, desto stärker leider der Befragte unter Schlafproblemen. Eine Punktzahl von 5 oder mehr weist bereits auf einen mangelhaften Schlaf hin.

Die Nebenwirkungen der CBD-Behandlung sowie die Verträglichkeit des Mittels wurden anhand von Selbstberichten der Probanden beurteilt und in die Daten der Studie mit einbezogen. Auch andere spontane Kommentare bezüglich der Behandlung sowie Beschwerden von Seitens der Patienten wurden in den Akten dokumentiert und in die Endresultate mit aufgenommen.

ERGEBNISSE

Das Durchschnittsalter bei den Patienten mit Angstzuständen betrug 34 Jahre (Bandbreite: 18-70 Jahre). Bei den Patienten mit Schlafstörungen betrug das Alter im Durchschnitt 36,5 Jahre (Bandbreite: 18-72 Jahre). Die Mehrzahl der Patienten mit Angstzuständen waren Männer (59,6%, 28 von 47), während die meisten Patienten mit Schlafstörungen Frauen waren (64%, 16 von 25).

Alle 72 Teilnehmer der Studie wurden zu Beginn der CBD-Behandlung einer Basisuntersuchung unterzogen und wurden anschließend im Folgemonat untersucht, was die Entwicklung ihrer Schlaf- und Angstbeurteilungen anging. Im zweiten Monat der Untersuchung verblieben noch 41 Patienten (56,9%) in der CBD-Behandlung und wurden in die Endergebnisse mit einbezogen; Im dritten Folgemonat wurden noch 27 Patienten (37,5%) mit Cannabidiol behandelt, auch sie konnten die Beurteilung vollenden.

Im Durchschnitt verbesserte sich der Angststatus und die Schlafqualität bei den meisten Patienten. Diese Verbesserungen konnten im Lauf der Zeit auch beibehalten werden. Bei der ersten Bewertung, einen Monat nach Beginn der CBD-Behandlung, zeigten 79,2% (57 von 72) eine Verbesserung ihrer Angst, und 66,7% (48 von 72) eine Verbesserung ihres Schlafs; Bei 15,3% (11 von 72) der Patienten verschlechterte sich die Angstsymptomatik, und bei 25,0% (18 von 72) wurde der Schlaf schlechter.

Zwei Monate nach Beginn der Behandlung mit CBD berichteten 78,1% der Patienten (32 von 41) von einer Verbesserung ihrer Angstsymptome und 56,1 % (23 von 41) gaben eine positive Entwicklung ihrer Schlafsymptome zu Protokoll. Diese Werte waren Vergleichswerte zum vorherigen Monat; Demgegenüber berichteten 19,5 % (8 von 41) über eine Verschlechterung der Angst, und 26,8 % (11 von 41) über schlechteren Schlaf im Vergleich zum Vormonat.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Behandlung mit CBD auf die Angstwerte einen nachdrücklicheren Einfluss hat als auf die Schlafwerte. Die Patienten wiesen außerdem eine relativ stärkere Abnahme der Angstwerte auf als bei den Schlafwerten. Bei den Wertungen der Schlafqualität wurden leichte Verbesserungen erzielt. Die Angstwerte nahmen bereits im ersten Monat der Behandlung ab und verblieben dann auch für den Rest der Studie auf diesem niedrigeren Niveau.

Die Einnahme von Cannabidiol wurde im Allgemeinen gut vertragen, nur wenige Patienten berichteten von Nebenwirkungen. Zwei Patienten brachen die Behandlung innerhalb der ersten Woche aufgrund übermäßiger Müdigkeit ab. Bei drei Patienten wurde ebenfalls ein leichtes Müdigkeitsgefühl beobachtet, was sich aber in den weiteren Wochen dann legte. Ein Patient berichtete von trockenen Augen.

Die Gründe dafür, dass die Patienten in den Folgemonaten nicht mehr zur Nachuntersuchung erschienen sind weitgehend unbekannt. Dies kann aber auf die übliche Rate zurückgeführt werden, mit der Patienten bei Folgeuntersuchungen nicht mehr in der Ambulanz, bzw. in der Praxis erscheinen. Es gab keine Hinweise darauf, dass die Patienten ihre CBD-Behandlung wegen Problemen der Verträglichkeit abgebrochen hätten.

Die Behandlung mit CBD wurde im Allgemeinen als vertretbar akzeptiert, was die emotionale Einstellung der Patienten gegenüber dem Wirkstoff anbelangt. Dies konnten wir aus den die Reaktionen der Ärzte und Patienten ableiten. Vier Patienten lehnten jedoch wegen religiöser oder ethischer Bedenken die CBD-Behandlung ab: Ihnen war die Nähe zu Cannabis zu unangenehm. Nachdem den Patienten die Art der Behandlung genauestens erklärt wurde,  waren fast alle Patienten bereit, bei der Studie mitzumachen und stimmten einer der Behandlung mit CBD zu. Den meisten Patienten war es am Wichtigsten, einen natürlichen Wirkstoff auszuprobieren, um damit eine weitere Medikation vermeiden bzw. vermindern zu können.

Grafik zur Studie über CBD bei Angstzuständen

Diskussion der Endergebnisse

Bei Patienten in einer ambulanten Behandlung konnte bei den Schlafwerten während dieser 3-Monats-Studie keine nachhaltige Verbesserung erzielt werden. Die Angstwerte der Patienten nahmen jedoch ziemlich schnell und stark ab, und diese Verbesserung wurde auch während der Studienzeit beibehalten. Die Ergebnisse dieser Studie stehen im Einklang mit den bereits vorhandenen Daten, die wir über CBD haben. CBD wurde bei von unseren Patienten als mögliches Medikament gut angenommen und körperlich gut vertragen. Die Nebenwirkungen waren nur minimal (hauptsächlich handelte es sich dabei um Müdigkeit) und könnten mit der Dosierung des Wirkstoffs zusammenhängen.

Die in dieser Studie verwendeten Mengen (25 mg/täglich bis 175 mg/täglich) waren viel geringer als die in der klinischen Literatur üblicherweise gereichten Dosen. Bei diesen wurden oftmals zwischen 300 und 600 mg CBD am Tag vewendet. Wir haben uns aus zwei Gründen für diese niedrige Dosierung entschieden:

Der erste Grund war, dass, unserer Erfahrung nach, bereits niedrige Mengen an CBD eine ausreichende Reaktion hervorrufen können. Zweitens wären die Kosten für eine Behandlung mit CBD mit 600 mg täglich für viele Leute unerschwinglich, zumindest bei den aktuellen Preisen.

Einschränkungen der Studie

Die Ergebnisse müssen vorsichtig interpretiert werden, da es sich um eine Studie handelt, deren Patienten nur ambulant behandelt wurden und die Behandlung als Ganzes eher naturalistisch als schulmedizinisch von Statten ging. Außerdem gab es auch keine Vergleichsgruppe. Zusäzlich zur CBD-Behandlung wurden außerdem zur gleichen Zeit psychiatrisch wirksame Medikamente verarbreicht, welche Teil der klinischen Routineversorgung waren. Diesen Aspekt kann man aber auch als einen Pluspunkt sehen, da es nur sehr wenige Publikationen gibt, die eine solche Konstellation erforscht haben.

Andere Wissenschaftler auf diesem Gebiet haben festgestellt, dass der große Bekanntheitsgrad von Cannabis und medizinischem Marihuana wahrscheinlich den Placeboeffekt von CBD in noch größerem Ausmaß erhöht. 11) Loflin MJE et al., Placebo Effects of Edible Cannabis: Reported Intoxication Effects at a 30-Minute Delay. 2017, J Psychoactive Drugs. Deswegen hat jede Studie, die die Wirksamkeit einer CBD-Behandlung untersucht, mit einem potenziell überhöhten Placeboeffekt zu kämpfen, welcher dann die Daten mehr oder weniger verfälscht. Des Weiteren war die Teilnehmergruppe nicht repräsentativ, da die Probanden in dieser Studie im Durchschnitt jünger waren als es für unsere Klinik typisch ist. Das bedeutet, dass die Probanden eventuell voreingenommen waren, was die Behandlungseffekte angeht. Zukünftige Studien sollten diese Möglichkeit eingehender beleuchten.

SCHLUSSFOLGERUNG UND FAZIT

Es ist dringend erforderlich, dass weitere formale Studien durchgeführt werden, die sich mit der Effektivität und der richtigen Dosierung des Wirkstoffes beschäftigen. Angesichts der Tatsache, dass das Interesse der Allgemeinbevölkerung bezüglich CBD enorme angestiegen ist und dass viele Hersteller bereits dieses Mittel nach allen Kräften vermarkten, besteht eine gewisse Dringlichkeit. Das derzeitige Wissen der körperlichen und neurologischen Signalwege deutet auf einen Nutzen von CBD bei angstbedingten Problemen hin. Die Ergebnisse unserer Studie unermauern dabei die bereits vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnisse.

In unserer Untersuchung konnten wir keinerlei Sicherheitsprobleme feststellen, welche zukünftige Studien einschränken würden. Unseren Daten nach scheint CBD besser vertragen zu werden als die routinemäßig verschriebenen psychiatrischen Medikamente. Darüber hinaus zeigte sich Cannabidiol als vielversprechende Substanz zur Verringerung einer diagnostizierten Angststörung. Angesichts des offenen und nicht randomisierten Aufbaus dieser Falluntersuchung müssen jedoch alle Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden. Deswegen sind geschlossen organisierte und randomisierte Studien nötig, um belastbare medizinische Aussagen treffen zu können.

Dies ist eine Übersetzung von Link.

Quellen   [ + ]

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